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	<title>Atemphysiologie Archive -</title>
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	<title>Atemphysiologie Archive -</title>
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		<title>Selbstkontakt und innerer Frieden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[NKoschik]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 13:10:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Körper & Nervensystem]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung & Präsenz]]></category>
		<category><![CDATA[Atemphysiologie]]></category>
		<category><![CDATA[IFS]]></category>
		<category><![CDATA[Innerer Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Körperwahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 9</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>Nicht der Kern. Der Kontakt. Über Self, Schutzreaktionen, Atemphysiologie und die Möglichkeit, mit dem eigenen Erleben in Beziehung zu bleiben Manchmal entsteht während einer Praxis ein Moment, in dem nichts Besonderes geschieht – und doch etwas Wesentliches spürbar wird. Der Atem wird leiser.Die Aufmerksamkeit sammelt sich.Der Blick wird weicher.Etwas im Körper muss nicht mehr nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<span class="span-reading-time rt-reading-time" style="display: block;"><span class="rt-label rt-prefix">Lesedauer</span> <span class="rt-time"> 9</span> <span class="rt-label rt-postfix">Minuten</span></span>
<h2 class="wp-block-heading"><em>Nicht der Kern. Der Kontakt.</em></h2>



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<h2 class="wp-block-heading">Über Self, Schutzreaktionen, Atemphysiologie und die Möglichkeit, mit dem eigenen Erleben in Beziehung zu bleiben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal entsteht während einer Praxis ein Moment, in dem nichts Besonderes geschieht – und doch etwas Wesentliches spürbar wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Atem wird leiser.<br>Die Aufmerksamkeit sammelt sich.<br>Der Blick wird weicher.<br>Etwas im Körper muss nicht mehr nach vorne drängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist kein dauerhafter Zustand. Eher eine kurze Qualität von Frieden. Ein Moment, in dem ich nicht suchen muss, was richtig ist, sondern spüre, wie Verbindung entsteht: zum Körper, zum Gegenüber, zum Augenblick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Begriffe wie „wahres Selbst“, „Self“, „Wesenskern“ oder „Kernselbst“ zugleich berühren und vorsichtig machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie berühren etwas, weil sie auf eine Erfahrung verweisen, die viele Menschen kennen: einen Moment von Ruhe, Klarheit, Mitgefühl oder innerer Stimmigkeit. Einen Moment, in dem wir nicht vollständig mit Stress, Schutz, alten Mustern oder Selbstzweifeln verschmolzen sind. Einen Moment, in dem etwas in uns weiter wird, ohne dass wir es erzwingen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie machen mich vorsichtig, weil sie schnell mehr behaupten, als sich fachlich sauber sagen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was meinen wir eigentlich, wenn wir vom Selbst sprechen?</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Viele Wörter für eine schwer fassbare Erfahrung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen haben seit jeher Worte gesucht für das, was im Inneren nicht vollständig aufgeht in Rolle, Funktion, Anpassung, Verletzung oder Reaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Traditionen sprechen von Seele.<br>Andere vom Wesen.<br>In therapeutischen Kontexten begegnen Begriffe wie Self, Selbstführung, Selbstkontakt, Kernselbst oder innerer Anteil.<br>In spirituelleren Zusammenhängen ist manchmal vom wahren Selbst, Wesenskern oder höheren Selbst die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Begriffe stammen nicht aus demselben Zusammenhang. Sie gehören zu unterschiedlichen religiösen, philosophischen, psychologischen, therapeutischen und spirituellen Sprachwelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch kreisen sie häufig um eine verwandte Frage:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt es eine Qualität in uns, die nicht vollständig von dem bestimmt ist, was uns geprägt, verletzt, geschützt oder angepasst hat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frage ist nicht nur theoretisch. Sie berührt die Art, wie wir Menschen betrachten – auch in Yoga, Atemarbeit, Coaching und körperorientierter Begleitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn es macht einen Unterschied, ob wir einen Menschen vor allem über seine Symptome, Muster oder Schutzreaktionen verstehen. Oder ob wir zugleich davon ausgehen, dass Kontakt, Mitgefühl, Orientierung und innere Beweglichkeit wieder zugänglich werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist diese zweite Perspektive wesentlich – in meiner eigenen Praxis ebenso wie in der Begleitung anderer Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht, weil ich dafür an einen festen, unversehrbaren Wesenskern glauben müsste. Sondern weil ich immer wieder erlebe, dass sich solche Qualitäten zeigen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal wird Selbstkontakt möglich.<br>Manchmal entsteht Frieden.<br>Manchmal zeigt sich Wahl.<br>Manchmal wird ein innerer Abstand spürbar zwischen dem, was geschieht, und der Art, wie wir darauf reagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine therapeutische Sprache für eine solche Erfahrung bietet unter anderem das Modell der Internal Family Systems Therapy.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Self als Qualität – nicht als feste Substanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Internal Family Systems Therapy, kurz IFS, wurde von Richard Schwartz entwickelt und arbeitet mit der Vorstellung innerer Anteile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschiedliche innere Stimmen, Schutzimpulse, verletzte jüngere Anteile oder bewältigende Strategien können gleichzeitig in einem Menschen wirksam sein. Im Zentrum des Modells steht das sogenannte Self beziehungsweise die Self-Energy: eine Qualität von Präsenz, Mitgefühl, Neugier, Klarheit, Gelassenheit und innerer Führung im Umgang mit diesen Anteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das IFS-Modell geht dabei über die Beschreibung einer vorübergehenden Erfahrung hinaus. Es geht davon aus, dass jeder Mensch in seinem Innersten über ein Self mit diesen grundlegenden Qualitäten verfügt. Nach dem IFS-Modell muss dieses Self nicht erst erzeugt oder entwickelt werden. Es wird vielmehr zugänglich, wenn Menschen weniger mit einzelnen Anteilen verschmolzen sind und diese ihre extremen Rollen lockern können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier nehme ich bewusst eine zurückhaltendere Position ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann die Erfahrung gut nachvollziehen, dass Präsenz, Mitgefühl, Klarheit und innere Führung wieder zugänglich werden. Solche Momente sind real erfahrbar. Sie können sich in Begleitprozessen, in Yoga, Atemarbeit oder in stillen Augenblicken zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob sich darin jedoch ein fester, immer vorhandener und unversehrbarer Wesenskern offenbart, möchte ich offenlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Arbeit ist daher weniger entscheidend, was das Self seinem Wesen nach ist. Hilfreicher sind für mich andere Fragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter welchen Bedingungen wird diese Qualität zugänglich?<br>Was braucht der Körper dafür?<br>Was braucht das Nervensystem?<br>Was braucht ein innerer Anteil, der bisher schützen musste?<br>Was hilft einem Menschen, mit dem eigenen Erleben in Beziehung zu bleiben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">So verschiebt sich der Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht: Wo ist der wahre Kern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern: Wie wird Selbstkontakt möglich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung eines eigentlichen, unverletzten Kerns ist häufig mit der Idee verbunden, wir müssten nur zu unserer ursprünglichen Natur zurückfinden. Doch auch diese Vorstellung braucht Differenzierung.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Auch Schutz ist Natur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Formulierung wie „zurück zur Natur“ greift für diese Arbeit zu kurz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn was wäre dann mit den Anteilen, die schützen?<br>Was wäre mit Anpassungsstrategien?<br>Mit Rückzug, Kontrolle, Überanpassung, Erstarrung, Aktivierung oder Funktionieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sie sind Natur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Schutz ist Natur.<br>Auch Anpassung ist Natur.<br>Auch eine Stressreaktion ist keine moralische Verfehlung, sondern die Antwort eines Systems, das Orientierung, Sicherheit, Bindung oder Überleben organisieren musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb geht es für mich nicht darum, zu einer vermeintlich reinen Natur zurückzukehren. Und auch nicht darum, Schutzreaktionen als etwas Unechtes oder Falsches zu entlarven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht darum, unserer lebendigen Natur bewusster zu begegnen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">dem Schutz und seinen guten Gründen,<br>der Enge und dem Rückzug,<br>dem Drängen und der Sehnsucht nach Nähe,<br>dem, was unmittelbar reagiert,<br>und dem, was noch Zeit braucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schutzreaktionen können belastend werden. Sie können Beziehungen erschweren, den Körper anspannen, den Atem verändern oder alte Geschichten immer wieder neu aktivieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie sind nicht außerhalb von uns. Sie gehören zu unserer gewordenen Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstkontakt entsteht nicht dadurch, dass Schutz verschwindet. Er entsteht, wenn wir wahrnehmen, verstehen und einordnen können, was geschieht – ohne einer Schutzreaktion automatisch die ganze Führung überlassen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ein solcher Kontakt möglich wird, entscheidet sich jedoch nicht allein auf der Ebene von Einsicht oder innerer Haltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schutz, Alarm und Sicherheit werden auch körperlich organisiert.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Innerer Frieden ist auch Physiologie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir von innerem Frieden sprechen, denken wir schnell an etwas Seelisches. An Bewusstsein, Akzeptanz, Meditation, Yoga oder eine spirituelle Erfahrung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das kann eine Rolle spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch ist innerer Frieden nicht nur eine Idee. Er ist auch körperlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal zeigt er sich als leiserer Atem.<br>Als weniger Druck im Brustraum.<br>Als mehr Boden unter den Füßen.<br>Als weicherer Blick.<br>Als ein Nachlassen im Kiefer.<br>Als ein Körper, der nicht mehr ständig nach vorne greifen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus atemphysiologischer Sicht kann es hilfreich sein, dabei auch das Atemmuster einzubeziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Fachliteratur werden unter dem Begriff des dysfunktionalen Atmens unterschiedliche Veränderungen des Atemmusters zusammengefasst. Die Definitionen, Erscheinungsformen und diagnostischen Kriterien sind jedoch nicht vollkommen einheitlich. Eine mögliche Form ist ein anhaltendes oder wiederkehrendes Überatmen: Der Atem ist dann größer oder schneller, als es dem gegenwärtigen Stoffwechselbedarf entspricht. Dadurch kann der CO₂-Gehalt im Blut sinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CO₂ ist nicht nur ein Stoff, den der Körper abgibt. Es ist unter anderem an der Regulation des pH-Wertes und der Sauerstoffabgabe im Gewebe beteiligt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wichtiger physiologischer Zusammenhang ist dabei der Bohr-Effekt. Vereinfacht gesagt beeinflussen CO₂ und pH-Wert, wie fest Hämoglobin den Sauerstoff bindet und wie leicht es ihn im Gewebe wieder abgibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Atemvolumen bedeutet deshalb nicht automatisch eine bessere Sauerstoffabgabe im Körper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dysfunktionale Atemmuster können mit Empfindungen wie Atemnot, Schwindel, Enge, Kribbeln oder Herzklopfen verbunden sein und als körperliche Alarmierung erlebt werden. Die Zusammenhänge sind jedoch vielschichtig. Aus der Atemphysiologie allein lässt sich weder ableiten, dass Unruhe oder Angst grundsätzlich durch einen niedrigen CO₂-Gehalt verursacht werden, noch, dass ein einzelnes Atemverfahren solche Beschwerden zuverlässig behebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Buteyko-Methode arbeitet unter anderem mit ruhiger Nasenatmung, Atemwahrnehmung und einer behutsamen Verringerung eines möglicherweise überhöhten Atemvolumens. Für einzelne Anwendungsbereiche gibt es Hinweise auf einen möglichen Nutzen. Wie aussagekräftig die bisherige Forschung ist, unterscheidet sich jedoch je nach Beschwerdebild.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Arbeit ist Buteyko deshalb ein praktischer Bezugsrahmen für Atemwahrnehmung und Atemregulation – kein umfassendes Erklärungsmodell für Angst, Krankheit oder inneren Frieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn auch hier ist Sorgfalt wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerer Frieden ist nicht einfach CO₂-Balance.<br>Und der Atem ist kein Beweis für ein wahres Selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Atemphysiologie kann Zustände beeinflussen. Aber Zustände sind keine Wahrheiten über das Selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sonst würden wir lediglich eine spirituelle Verkürzung durch eine biochemische ersetzen. Dann wäre innerer Frieden nicht mehr der Wesenskern, sondern der vermeintlich richtige CO₂-Wert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das wäre zu einfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Atem kann ein Zugang sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Weg, Zustände wahrzunehmen.<br>Ein Weg, Regulation zu unterstützen.<br>Ein Weg, den Körper wieder feiner zu bewohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist innerer Frieden manchmal auch ein Atem, der nicht mehr kämpfen muss.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Der Körper ist kein Orakel – aber ein Orientierungsorgan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich ist es mit dem Körper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Körper gibt keine absolute Wahrheit vor. Er sagt uns nicht immer eindeutig, was richtig ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein enges Gefühl kann eine Grenze sein.<br>Oder Angst vor Neuem.<br>Oder Müdigkeit.<br>Oder eine alte Schutzreaktion.<br>Oder ein Hinweis auf Überforderung.<br>Oder schlicht eine körperliche Belastung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb ist es problematisch zu sagen: „Der Körper weiß immer den Weg.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch ist der Körper ein feines Orientierungsorgan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er zeigt, dass etwas geschieht: im Atem, im Tonus, in der Haltung, im Blick, in der Stimme, im Kontakt zum Boden oder im Bedürfnis nach Nähe und Abstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das sind Hinweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Befehle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Körpersignale brauchen Kontext. Sie brauchen Zeit. Manchmal brauchen sie Begleitung. Und sie brauchen eine Haltung, die nicht sofort bewertet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was geschieht hier gerade?<br>Seit wann kenne ich dieses Gefühl?<br>Wird es stärker, wenn ich schneller werde?<br>Verändert es sich, wenn ich den Boden spüre?<br>Entsteht mehr Klarheit – oder mehr Druck?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innere Orientierung entsteht nicht dadurch, dass ein Signal sofort zur Wahrheit erklärt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie entsteht durch Differenzierung.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Selbstkontakt entsteht durch Differenzierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstkontakt ist kein Ort, den wir finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist eine Beziehung, die wieder möglich wird – zum eigenen Erleben, zum Körper und zum Atem, zu inneren Anteilen und auch zu dem, was sich noch nicht in Worte fassen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstkontakt heißt nicht, immer ruhig, klar, verbunden oder offen zu sein. Es bedeutet auch nicht, keine Schutzreaktionen mehr zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstkontakt bedeutet eher:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann bemerken, was in mir geschieht.<br>Ich kann unterscheiden lernen.<br>Ich muss mich nicht vollständig mit jedem Zustand identifizieren.<br>Ich kann innerlich anwesend bleiben, ohne mich zu übergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist ein Bedürfnis?<br>Was ist eine Grenze?<br>Was ist ein Schutzimpuls?<br>Was ist eine Stressreaktion?<br>Was ist eine alte Gewohnheit?<br>Was braucht Zeit, Bewegung, Kontakt, Abstand oder Begleitung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Fähigkeit bleibt nicht allein im Inneren eines Menschen. Sie prägt auch, wie wir kommunizieren, entscheiden, führen und in Beziehung handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer eigene Grenzen früher wahrnimmt, kann klarer kommunizieren.<br>Wer Schutzreaktionen erkennt, muss sie nicht unbewusst ausagieren.<br>Wer zwischen Druck und einem stimmigen Impuls unterscheiden lernt, gewinnt Wahlfähigkeit.<br>Wer den eigenen Körper nicht erst hört, wenn er laut wird, kann anders mit Belastung umgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein spiritueller Luxus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Form von Selbstregulation, Präsenz und Beziehungskompetenz.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Warum das für Yoga, Atemarbeit und Coaching wichtig ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Yoga, Atemarbeit und Coaching sind in meiner Arbeit keine Wege zu einem wahren Kern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind Praxisfelder für Wahrnehmung, Selbstkontakt, Regulation, Orientierung und Wahlfähigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Yogapraxis kann sichtbar werden, wie ein Mensch mit einer Grenze umgeht: ob er sie übergeht, gegen sie anarbeitet, ausweicht, kontrolliert, sich vergleicht oder plötzlich feiner zuhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Atemarbeit kann spürbar werden, ob der Atem zu einem weiteren Werkzeug der Kontrolle wird – oder ob zunächst überhaupt wahrgenommen werden darf, wie der Atem gerade geschieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Coaching kann sich zeigen, welche inneren Anteile im Augenblick aktiv sind:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Anteil, der funktionieren will.<br>Einer, der gefallen möchte.<br>Einer, der schützt.<br>Einer, der müde ist.<br>Einer, der sich nach Kontakt sehnt.<br>Einer, der nicht mehr kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neurosystemische Integration® nach Verena König bildet dafür einen wichtigen Bezugsrahmen meiner Arbeit. Sie verbindet eine traumasensible Perspektive auf Nervensystem, Schutzreaktionen und innere Anteile mit der Frage, wie Stabilisierung, Beziehung und neue Erfahrung möglich werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mensch wird dabei nicht auf ein Symptom reduziert. Auch belastende Reaktionen werden als sinnvolle Antworten einer individuellen Geschichte betrachtet – als Antworten, die nicht bekämpft, sondern zunächst verstanden und in Beziehung gebracht werden möchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So verstanden wird Yoga nicht zur Selbstoptimierung.<br>Atemarbeit nicht zur Kontrolle.<br>Coaching nicht zur schnellen Lösung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten, wieder in Beziehung zu treten: mit dem eigenen Erleben, mit anderen Menschen und mit dem Augenblick, in dem eine neue Erfahrung möglich werden kann.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Nicht wahrer werden. Verbundener werden.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das, was manche das wahre Selbst nennen, kein verborgener Kern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist es eine Qualität, die manchmal erfahrbar wird, wenn genug Beziehung möglich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das Nervensystem nicht ausschließlich schützen muss.<br>Wenn innere Anteile nicht mehr gegeneinander kämpfen.<br>Wenn der Körper nicht übergangen wird.<br>Wenn Wahrnehmung feiner und Wahl wieder möglich wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht geht es nicht darum, wahrer zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht geht es darum, verbundener zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Körper.<br>Mit dem Atem.<br>Mit dem, was schützt.<br>Mit dem, was sich zeigt.<br>Mit der Lebendigkeit, die nicht verschwunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und mit dem inneren Frieden, der nicht immer verfügbar ist – aber manchmal wieder spürbar wird, wenn wir nicht nach einem Kern suchen, sondern in Beziehung bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht der Kern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kontakt.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Fachliche Bezugspunkte und weiterführende Hinweise</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Text ist kein wissenschaftlicher Fachartikel, sondern ein Journal-Eintrag aus meiner Arbeit mit Yoga, Atem, Körperwahrnehmung und nervensysteminformierter Begleitung. Er orientiert sich zugleich an psychotherapeutischen, atemphysiologischen und körperorientierten Bezugspunkten, ohne diese gleichzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Internal Family Systems Therapy nach Richard C. Schwartz</strong><br>IFS arbeitet mit inneren Anteilen sowie dem Konzept von Self beziehungsweise Self-Energy. Das Modell beschreibt das Self als einen grundlegenden inneren Bezugspunkt mit Qualitäten wie Mitgefühl, Klarheit, Neugier und innerer Führung. In diesem Artikel wird bewusst offengelassen, ob diese Erfahrung als fester Wesenskern verstanden werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterführend: Richard C. Schwartz, <em>No Bad Parts. Healing Trauma and Restoring Wholeness with the Internal Family Systems Model</em>, Sounds True, 2021.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Neurosystemische Integration® nach Verena König</strong><br>Ein praxisbezogener Ansatz mit Perspektiven auf Nervensystem, Schutzreaktionen, innere Anteile, Stabilisierung, Traumaintegration und traumasensible Begleitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dysfunktionales Atmen und Atemphysiologie</strong><br>Der Begriff umfasst unterschiedliche Veränderungen des Atemmusters. Erscheinungsformen, Ursachen und diagnostische Kriterien werden in der Fachliteratur nicht vollständig einheitlich beschrieben. Physiologische Zusammenhänge rund um CO₂, pH-Wert und Sauerstoffabgabe sind davon zu unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterführend: Richard Boulding, Rebecca Stacey, Rob Niven und Stephen J. Fowler, „Dysfunctional breathing: a review of the literature and proposal for classification“, <em>European Respiratory Review</em>, 2016.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Buteyko-Methode</strong><br>Ein Atemschulungsansatz, der unter anderem Atemwahrnehmung, Nasenatmung und die Verringerung eines möglicherweise überhöhten Atemvolumens einbezieht. Die Evidenzlage unterscheidet sich je nach Anwendungsgebiet und erlaubt keine pauschalen Wirksamkeitsaussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterführend: Cochrane Australia im Auftrag des National Health and Medical Research Council (NHMRC), <em>Natural Therapies Review 2024 – Buteyko evidence evaluation</em>, Australian Government Department of Health, Disability and Ageing, 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bohr-Effekt</strong><br>Der physiologische Zusammenhang zwischen CO₂, pH-Wert und der Bindung beziehungsweise Abgabe von Sauerstoff durch das Hämoglobin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stressphysiologie, Interozeption und Embodiment</strong><br>Körperwahrnehmung, autonome Schutzreaktionen und die Fähigkeit, innere Zustände differenziert wahrzunehmen, bilden wichtige Bezugspunkte für Selbstkontakt, Orientierung und Wahlfähigkeit.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Vorschau: Wenn der Atem vor dem Bildschirm innehält</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal bemerken wir erst spät, wie sehr digitale Reize auch den Körper beanspruchen. Eine E-Mail, eine Nachricht, ein voller Bildschirm – und manchmal wird der Atem flacher oder hält für einen Moment inne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Journal-Eintrag geht es um Beobachtungen, die unter den Begriffen E-Mail-Apnoe oder Screen Apnea beschrieben werden, und um Technostress. Darum, wie sich digitale Beanspruchung im Atem zeigen kann – und wie Atemwahrnehmung dabei helfen kann, im digitalen Alltag früher zu bemerken, was gerade geschieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Artikel über Bildschirmarbeit, Atemwahrnehmung und Buteyko – und über die Frage, wie wir auch vor dem Bildschirm feiner mit uns in Kontakt bleiben können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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